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 Freiheit     Gleichheit     Gerechtigkeit     Solidarität     Toleranz

Leitbild und Leitsätze

Die Arbeiterwohlfahrt kämpft mit ehrenamtlichem Engagement und professionellen Dienstleistungen für eine sozial gerechte Gesellschaft.

 

Wir bestimmen - vor unserem geschichtlichen Hintergrund als Teil der Arbeiterbewegung - unser Handeln durch die Werte des freiheitlichdemokratischen Sozialismus:

Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

 

Wir sind ein Mitgliederverband, der für eine sozial gerechte Gesellschaft kämpft und politisch Einfluss nimmt. Dieses Ziel verfolgen wir mit ehrenamtlichem Engagement und professionellen Dienstleistungen.

 

Wir fördern demokratisches und soziales Denken und Handeln.

 

Wir haben gesellschaftliche Visionen.

 

Wir unterstützen Menschen, ihr Leben eigenständig und verantwortlich zu gestalten und fördern alternative Lebenskonzepte.

 

Wir praktizieren Solidarität und stärken die Verantwortung der Menschen für die Gemeinschaft.

 

Wir bieten soziale Dienstleistungen mit hoher Qualität für alle an.

 

Wir handeln in sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und internationaler Verantwortung und setzen uns nachhaltig für einen sorgsamen Umgang mit vorhandenen Ressourcen ein.

 

Wir wahren die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit unseres Verbandes; wir gewährleisten Transparenz und Kontrolle unserer Arbeit.

 

Wir sind fachlich kompetent, innovativ, verlässlich und sichern dies durch unsere ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Marie Juchacz

Marie_Juchacz

 

 

1919 sprach die AWO-Gründerin Marie Juchacz als erste Frau vor einem deutschen Parlament

 

Am 19. Februar 1919 feierte der lange Kampf für das Frauenwahlrecht einen Höhepunkt:  Marie Juchacz, SPD-Abgeordnete und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, sprach als erste Frau vor einem deutschen Parlament.

 

Heiterkeit herrschte im Saal als sie ihre Rede erstmals mit den Worten begann, "Sehr geehrte Herren und Damen". Doch dann stellte sie klar: "Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

 

Die 1879 in Landsberg geborene Politikerin stammte aus einem immer hart arbeitenden und immer arg knapsenden Elternhaus. Mit 14 Jahren mußte sie die Volksschule verlassen und verdingte sich als Dienstmädchen, arbeitete in einer Netzfabrik und dann als Wärterin mit einer 80-Stunden-Woche in der "Provinzial-Landes-Irrenanstalt".

 

Nach ihrer Scheidung ging sie nach Berlin. Dort schlug sie sich und ihre beiden Kinder jahrelang mit Heimarbeit durch und wuchs in die sozialistische Frauenbewegung hinein - da das Preußische Vereinsgesetz Frauen die Teilnahme an politischen Vereinen verbot, mussten sie sich als Lesezirkel tarnen, wobei stets ein Polizist wachsam im Saal saß.

 

Während das karitative Engagement der bürgerlichen Frauenbewegung von der Obrigkeit mit einigem Wohlwollen geduldet wurde, litten die proletarischen Frauen unter den brutalen "Sozialistengesetzen".

 

Erst 1908 erlaubte das neue Reichsvereinsgesetz den Frauen eine Parteimitgliedschaft. Marie Juchacz und zahlreiche Mitstreiterinnen traten in die SPD ein - schließlich hatte diese schon 1891 als erste Partei das Frauenwahlrecht in ihr Wahlprogramm aufgenommen.

 

Als es knapp 30 Jahre später endlich erreicht war, wurde Marie Juchacz in die Verfassungsgebende Versammlung der Weimarer Republik gewählt. Dort kämpfte sie vergeblich dagegen, dass das Gleichheitsgebot "Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte" durch die Einfügung "grundsätzlich" eingeschränkt wurde.Doch im selben Jahr 1919 gelang es ihr den "Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt" beim Parteivorstand der SPD zu gründen - und dort einen großen Teil der im Ersten Weltkrieg unter verheerenden Bedingungen erstarkten sozialistischen Frauenbewegung zusammenzuführen. Damit nahmen sie den Kampf für die gesetzliche Verankerung sozialer Rechte auf und begründeten die moderne Wohlfahrtspflege, die über rein karitative und von Gönnern abhängige Nothilfen weit hinaus geht.

 

1933 verboten die Nationalsozialisten die Arbeiterwohlfahrt, ihre Mitglieder wurden brutal verfolgt, eine unbekannte, doch sicher hohe Zahl der AWO-Funktionäre wurde in Konzentrationslagern geschunden und ermordet. Marie Juchacz konnte emigrieren und kehrte 1949 aus New York nach Deutschland zurück.

 

Bis zu ihrem Tod 1956 war sie Ehrenvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und schrieb an einem Buch über die sozialdemokratische Frauenbewegung mit dem Titel "Sie lebten für eine bessere Welt". Bei ihrer Rede am 19. Februar 1919 war Marie Juchacz eine von 37 weiblichen Abgeordneten, die erstmals in die Weimarer Nationalversammlung gewählt worden waren - ein Frauenanteil von 8,7 Prozent. 90 Jahre später ist ein Drittel der Bundestagsabgeordneten weiblich.  

 

Die Ziele von Marie Juchacz sind also noch lange nicht erreicht.